In letzter Zeit habe ich einige Geschichten gehört und erlebt, die mich angeregt haben, ein wenig darüber zu schreiben.
Dabei geht es darum, wer sich alles als Fotograf bezeichnet, was er dann macht und wie er es macht. Angefangen hat es mit einem Shooting, bei dem mir das Model erzählte, dass ein ”Fotograf” nur mit Handy aufgetaucht ist. Er hatte für das Shooting bezahlt, ganz normaler Pay-Job, aber im Verlauf dann noch versucht hat, die Grenze auf ”open leg” zu erweitern, also die gebuchte und in dem Moment nackte Dame sollte die Beine spreizen, was vorher nicht vereinbart war.
Im nächsten Fall war ich selbst beteiligt: Ich kam mit einem Ü40 Hobbymodel ins Schreiben, eigentlich hatte sie noch keine wirklich guten Bilder von sich, aber sie war auf Onlyfans tätig und hatte einen Account mit sehr wenig Aktivität, was sie ändern wollte. Ich fand dann raus, dass sie auch selbst geschriebene Geschichten als Hörbuch eingesprochen hatte. In einer ging es um ein Shooting, das sie gebucht hatte und im Verlauf mit dem Fotografen intim wurde. Einige kennen diese Fantasie aus schlechten Porno Filmen. Für das reale von ihr geplante Shooting sollte ihr Mann dabei sein, ich sollte 200 Euro zahlen, die Bilder gehörten jedoch ihr, dafür dürfte ich sie anfassen! Ist halt auch ein Fetisch, wenn der Mann dabei zuschaut. Irgendwie klar, dass ich das Shooting nicht gemacht habe. Ich hatte danach Bilder von anderen ”Fotografen” gesehen, die auf den Deal eingegangen sind: Sehr schlechte Handyfotos und Filme, wie der ”Fotograf” am Model aktiv zugange ist.
Es ist ja mittlerweile bekannt, dass auf Model-Kartei fast nur noch Pay-Jobs von sogenannten Reisemodels angeboten und gesucht werden, jeden Tag bekommt man Anschreiben, dass Angebot ist riesig und die Grenzen sind eher nur marginal. Neuere Seiten, wie Adultfolio sind noch expliziter, eigentlich geht es dort nur noch darum, Models für sehr freizügige Fotografie zu finden. Im Grunde ist das absolut legitim, wenn ich explizite Bilder fotografieren will, die ja auch durchaus ästhetisch sein können, finde ich dort Models, das passt.
Wenn mir wirklich langweilig ist, schaue ich aber auf Model-Kartei nach den Kommentaren unter freizügigen Bildern. Häufig sind es die üblichen Verdächtigen, die sich tummeln. Ältere Herren, die das ”wunderbare Mädel” loben, die bei der ”tollen Ausleuchtung” eine super Pose hingelegt hat. Eigentlich kommt einem beim Lesen das Abendessen wieder hoch. Wenn man sich dann die Bilder anschaut, die die Kommentatoren selbst veröffentlicht haben, findet man in der Regel gruselige Portraits oder plumpe Nacktbilder von Hobbymodellen, oder es standen abgebrühte Profimodels aus Osteuropa vor der Kamera, die sich gut bezahlen liessen.
Worum es mir hier geht, ist der Begriff Fotograf und was unter diesem Deckmantel passiert. Dieses Thema ist im Grunde alt und das Schindluder, was hier getrieben wird auch bekannt. Dazu kommt der Begriff ”Model” und spannend wird es, wenn man alles in den Kontext der sozialen Medien setzt.
Instagram hat uns eine grosse Zahl von Menschen beschehrt, die sich dazu berufen fühlen, in einem gewissen Rampenlicht zu stehen. Gerade weil es niemanden benötigt, der einen entdeckt, nehmen viele ihr Glück selbst in die Hand und sind auf einmal Fotograf, Influencer, Comedian oder Model. Ob das seine Berechtigung hat kann man offen lassen. Mit Selfies und Stativen lässt sich vieles machen, lustige Bilder und kleine Filmchen gehen leicht von der Hand. Für etwas hochwertigere Bilder empfiehlt sich jedoch professionelleres Equipment und Erfahrung, Bildkomposition, ein Auge und ästhetischer Anspruch, manchmal sogar künstlerische Begabung. Und jetzt kommen wir zum Kern:
Menschen, die talentfrei sind, kaum Charisma haben, andere, die bei der Schönheitsvergabe weiter gelaufen sind, oder nicht mal gerade stehen können, alle tummeln sich auf Social Media Platformen und wollen Aufmerksamkeit. Ein gefundenes Fressen: Andere Menschen, in der Regel ältere Männer, die sexuell bedürftig sind, kaufen sich Kameras, oder nicht einmal das, bewaffnen sich nur mit dem Handy. So werden fotografische Dienstleistungen angeboten, erotische Fotografie mit der Hoffnung, wollüstige und zeigefreudige Opfer zu finden. Schlimm ist, es wird gefühlt immer mehr. Mehr Hobbymodels, die Bilder für ihren herbeigesehnten Durchbruch brauchen. Mehr Hobbymodels, die sich für Geld ausziehen. Mehr Hobbyfotografen, die gar nicht fotografieren können. Mehr Hobbyfotografen, die sich sexuell unausgelastet fühlen und denken ein Fotojob könnte Abhilfe schaffen. Immer mehr Situationen, in denen diese verschieden Menschen via Internet zusammen treffen und damit prekäre Situationen entstehen.
Jede Beschwerde von Models zu übergriffigem Verhalten von Fotografen ist absolut ernst zu nehmen und hier gibt es keine Nachsicht mit den Tätern. Aber warum um alles in der Welt nehmen Frauen Fotojobs an, oder lassen sich von Fotografen ablichten, von denen sie nichts wissen, keine Referenzen haben und die in der Regel nicht einmal gute Bilder veröffentlicht haben ? Es ist leicht, sich zu erkundigen: Auf Instagram markierte Models, die mit dem Fotografen gearbeitet haben anschreiben und sich einfach erkundigen, wie seriös dieser Fotograf ist. Nach 2-3 positiven Referenzen ist das Risiko zumindest einigermassen reduziert.
Den sogenannten Fotografen kann man nur raten, die Kamera nicht in die Hand zu nehmen, Landschaftsfotografie wäre vielleicht eine Alternative. Wer meint, er müsse sich an nackten Models erregen, soll lieber ins Bordell gehen, in den Swingerclub oder auf Fetischparties versuchen, mit den durchaus anwesenden Damen freundlich ins Gespräch zu kommen, vielleicht ginge da mehr. Aber die Bezeichnung Fotograf so in Verruf zu bringen ist eine Schande und ärgert mich immer wieder.
